Das Okular
Das Okular ist im Mikroskop (von oben gesehen) das erste Glied in der Kette "Mikroskop" und bildet das Bild des Objektes in Ihrem Auge ab.
Das Okular ist somit die Schnittstelle Mensch / Mikroskop. Ihm sollte man also die selbe Beachtung in Bezug auf Qualität schenken wie allen anderen optischen Teilen im Gesamtsystem "MIKROSKOP".
Es nimmt das so genannte "Zwischenbild" im Tubus des Mikroskops -Näheres auf der Seite "Das Mikroskop" auf, vergrößert es und projiziert es in unser Auge.
Aber was genau ist ein Okular?
Eigentlich kennen wir ein Okular im täglichen Leben als LUPE. Mit einer Lupe betrachten wir zu kleine Dinge vergrößert! Nichts anderes machen wir auch mit dem OKULAR des Mikroskops. Wir betrachten ein "zu kleines Bild" nämlich das, welches vom Mikroskopobjektiv im Tubus erzeugt wird, vergrößert mit dem Okular. Dieser Vergrößerungsfaktor ist auf dem Okular (meist oben auf dem Rand) bzw. an der Seite des Okulargehäuses als Zahl aufgetragen. Da steht zum Beispiel:
6,3 x und in einem Ring (bei meinen Okularen) steht die Zahl 19 geschrieben.
Nun, das der Wert 6,3 x sicherlich der Vergrößerungsfaktor ist, ahnen Sie sicher schon. Die Zahl im Kreis, in unserem Beispiel die 19 gibt den Sehfelddurchmesser an. Also den vom Auge überschaubaren Durchmesser des Bildes. Aber, das Okular hat eine Besonderheit, es bildet ein Bild im Unendlichen ab, lässt sich also nicht wie das Objektivbild auf einem Schirm auffangen. Dies geht sehr wohl aber mit einem Projektiv, z.B. auf einen Foto-Film. Somit kann man die tatsächliche "Vergrößerung" auch gar nicht wirklich messen sondern greift zu einer "Krücke" und stellt fest, wie viel größer das Zwischenbild ist, als wenn man es ohne Okular in 25 cm Abstand anschauen würde. Im obigen Beispiel wäre das Zwischenbild also 6,3x größer dargestellt. Es ist einfach eine willkürliche Festlegung ohne Rücksicht darauf, ob dies wirklich von einem Menschen in 25 cm gesehen werden kann oder nicht. Erst über die Augenlinse kann so wieder ein reales Bild auf unserer Netzhaut entstehen. Warum aber die Projektion ins Unendliche? Weil das Menschliche Auge in die Ferne blickend, am Entspanntesten ist. Je näher ein Gegenstand zum Auge steht, um so mehr müssen die Muskeln die Augenlinse krümmen und das ist nun mal auf die Dauer anstrengend.
Es gibt verschiedenste Okulare für unterschiedlichste Anwendungen und Bedürfnisse. Brillenträger benötigen ein Okular, speziell für Brillenträger, da bei normalen Okularen, das Bild so kurz hinter der Okularlinse entworfen wird, das kein Brillenglas mehr dazwischen passt. Bei diesen Spezialokularen wird also dieser Punkt der "Bilderzeugung" weiter angehoben, meist auf 24 mm oberhalb der Linse, so dass ein Brillenträger das Bild problemlos mit Brille betrachten kann. Diese Okulare tragen dann zusätzlich entweder ein B, Br oder ein Brillensymbol. Weiterhin gibt es Fotookulare, Zeichenokulare usw. An dieser Stelle verweise ich zwecks weiterer Information gerne wieder auf die Mikrofibel hier speziell auf den Absatz 2.3.4 oder andere spezielle Internetliteratur aus der Linkliste.
Zur gefälligen Beachtung:
Oft werden in Auktionen oder auf Flohmärkten Objektive und Okulare unterschiedlichster Hersteller angeboten. Halten Sie sich bitte vom Kauf zurück. Nicht, weil sie eventuell schlechter sind, sondern vielmehr, weil sie möglicherweise nicht zu Ihrem Mikroskop passen. Mann sollte immer nur Objektive und Okulare eines Herstellers und am besten noch für das entsprechende Mikroskop kaufen.
Der Grund ist relativ schnell erklärt:
Zum einen stimmen die Hersteller Ihre Objektive und Okulare aufeinander ab! Ein wichtigerer Grund jedoch liegt in der Zwischenbildebene. Dies ist die Ebene, in welcher vom Objektiv das Bild des Objektes im Tubus abgebildet wird um vom Okular aufgenommen zu werden. Bei den meisten Mikroskopen liegt die Zwischenbildebene 10 mm unterhalb des oberen Tubusrandes, also da, wo das eingesteckte Okular aufliegt. Bei dem Laboval 2 jedoch sind es 13 mm. Würde ich nun Okulare einsetzen die von anderen Herstellern für 10 mm gerechnet wurden, wäre das Bild nicht wirklich scharf.
Sie werden auf weiterführenden Mikroskopseiten und in der Mikrofibel die Begriffe: "EINTRITTSPUPILLE" und "AUSTRITTSPUPILLE" lesen. Ich gestehe, als ich diese Begriffe zum ersten Male las, wusste ich damit zunächst auch nichts rechtes anzufangen. "Pupille" hatte für mich bisher nur im Bezug zum Auge eine Bedeutung. Für Linsen war mir der Begriff neu. "Brennpunkt" ja, das kannte ich. Aber, Ein- und Austrittspupille??? Was´n das? Oh, Sie werden auf solcherlei Seiten noch viel mehr "möglicherweise" unbekannte Begriffe und Bezeichnungen finden. Also, müssen auch wir uns hier damit beschäftigen, wollen wir bei unserer Fortbildung auf anderen Seiten nicht ganz "dumm" dastehen.
Doch nun zurück zur Zwischenbildebene:
Diese Zwischenbildebene trägt nun ein sichtbares reales Bild, welches vom Okular aufgenommen wird um von diesem ins Unendliche projiziert zu werden.
Hier, also etwas über der Augenlinse des Okulars - also in der Austrittspupille - nimmt unsere Augenpupille diese Projektion auf um es nun seinerseits auf die Netzhaut zu projizieren. Die Projektion des Okulars in Unendlich und nicht als schwebendes reales Bild hat einen wichtigen Hintergrund: Unsere Augenmuskeln sind beim Blick ins "Unendliche" am Entspanntesten. Dies ermöglicht ein ermüdungsfreies Arbeiten.
Ergänzung:
Oft beobachtet man gerade bei Anfängern einen gravierenden Fehler beim ersten Blick in ein Mikroskop, vor allem dann, wenn es aus Preisgründen nur mit einem Monotubus ausgestattet ist und somit den Einblick nur über ein Okular ermöglicht!
Das betrachtende Auge wird oft zu tief, fast direkt auf die Okularlinse "gelegt" und das andere automatisch dabei zugekniffen! So sehen Anfänger meist alles andere, aber keine vernünftige Objektabbildung.
Versuchen Sie deshalb bitte von Anfang an, mit dem betrachtenden Auge soweit von der Okularlinse entfernt hineinzusehen, wie es für eine sinvolle und scharfe Betrachtung notwendig ist, das andere Auge bleibt dabei aber unbedingt offen!!! Ansonsten Sie schon nach kurzer Zeit durch die entstehende Verkrampfung entweder den Blick abwenden oder Kopf- und Spannungsschmerzen bekommen.
Zugegeben, am Anfang sehen Sie dann einmal das Objektbild und mit dem anderen Auge das Umgebungsbild. Aber bitte glauben Sie mir, nach sehr kurzer Zeit verschmelzen diese beiden Bilder ineinander und lösen sich dann zu Gunsten des Objektbildes auf. Unser Gehirn ist dazu nach sehr kurzer Zeit in der Lage, aber nur, wenn Sie entspannt und nicht verkrampft ins Mikroskop sehen. So können Sie auch mit einem Monotubus ganz entspannt und über einen längeren Zeitraum hinweg in Ruhe mikroskopieren. Aber, noch ein weiterer Effekt ist bei dieser Betrachtungsweise möglich.
Nehmen Sie einfach ein weißes Stück Zeichenpapier und legen es entsprechend Ihrer Händigkeit (Links- oder Rechtshänder) so und direkt neben das Mikroskop, dass Sie ggf. sofort darauf zeichnen könnten.
Jetzt schauen Sie entsprechend Ihrer Händigkeit entweder mit dem linken Auge (bei Rechtshändern) oder aber mit dem rechten Auge (für Linkshänder) in das Mikroskop. - Einen Bleistift können Sie dabei ruhig schon in der Zeichenhand halten -.
Nach einer kurzen Zeit bemerken Sie, dass Sie zwei Bilder sehen, zum Einen das Mikroskopbild und zum Anderen das Weiß des Zeichenpapiers. Jetzt aber geschieht etwas Seltsames, beide Bilder "wachsen" zusammen. Sie sehen Ihr Objekt klar und deutlich auf dem Zeichenpapier. Mit etwas Übung "pausen" Sie zukünftig Ihr Objekt förmlich auf das Papier durch nachzeichnen der Konturen ab. Glauben Sie nicht?
Probieren Sie es einfach aus. Es klappt bestimmt! Etwas Geduld und Wille vorausgesetzt! So habe ich bereits vor 30 Jahren wundervolle Objektbilder gezeichnet!
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