Verteidigungsstrategie eines Pantoffeltiers
Pantoffeltier schießt Trichocysten ab!

Im Heft des Mikrokosmos (Urban & Fischer Verlag), vom November 2002, 91. Jahrgang, Heft 6 auf Seite 321, veröffentlichte Frau Dipl. Biologin Susanne Lummer einen interessanten Bericht über die Ge-heimnisse des gefährlichen Nasen-tierchens {Didinium nasutum} und schilderte auch sehr anschaulich einen Angriff auf unser Pan-toffeltierchen {Paramecium cauda-tum}. Ferner wurde in diesem Artikel auch der Abwehrmechanismus des Pantoffeltierchens bei Angriffen ge-schildert.

Ich hatte zwar im Augenblick kein Nasentierchen vorrätig, Pantoffel-tierchen aus einer Moosprobe waren jedoch reichlich vorhanden. Auch ein anderer "Angreifer" war nicht aufzutreiben so dass ich kur-zerhand hier als Angreifer auftrat. Nun dürfte das Pantoffeltierchen von meiner Existenz kaum Notiz nehmen und mich somit als potentiellen Gegner auch nicht sonderlich ernst nehmen um mit Abwehr zu reagieren. Ein Blick in mein Mikroskop bestätigte diese Annahme

auch prompt, alle vorhandenen Pantoffeltierchen erfreuten sich bester Gesundheit und wirbelten, sich um ihre eigene Achse drehend, schnell durch mein Blickfeld und verschwanden aus diesem ebenso schnell. Nein, einfach machten sie es mir wirklich nicht, ihnen zu folgen. Ich hatte alle Hände voll zu tun, den Kreuztisch und den in ihm eingeklemmten Objektträger zu bewegen um ihnen zu folgen. Nun, da kein Angreifer in Sicht war, der unseren Probanten gefährlich werden könnte um die erwartete und beschriebene Abwehrreaktion - das abschießen von Trichocysten - zu provozieren, überlegte ich, ob ein Einzeller einen Angreifer überhaupt (er)kennt oder ob es sich bei der Abwehrreaktion nicht viel mehr um eine Reaktion auf "irgendeinen" Außenreiz handelt? Wenn dem so ist, musste ich irgendwie diesen Reiz auslösen, aber womit? Meine Wahl fiel auf eine stark verdünnte Formalin-Lösung. Diese Lösung, - Formol wird mit denaturiertem Wasser entsprechend der gewünschten Dichte verdünnt - wurde nun vorsichtig mittels Pipette an eine Ecke des Deckglases auf dem Objektträger pipettiert. Es dauerte schon eine Weile, bis sich die Lösung unter dem Deckglas verteilte und erste Reaktionen der Pantoffeltierchen hervorrief. Zuerst beobachtete ich eine Reaktion, die ein Fuchs wohl im Hühnerstall auslösen würde, alles stob wie wild auseinander. Doch nach kurzer Zeit verlangsamten sich die Bewegungen, auch drehte man sich nicht mehr so heftig um die eigene Achse. Ganz plötzlich jedoch waren die Tiere von einer dicken Schicht umgeben, die an das aufgestellte und abgespreizte Haarkleid einer erschrockenen und fauchenden Katze erinnerte, nur, das hier alles durcheinander wirkte, keine bevorzugte und geordnete Richtung. Das also war die Abwehrreaktion des Pantoffeltiers {Paramecium caudatum}? Das also war das Heer der abgeschossenen Trichocysten, die sich "schützend" um den Körper des Tieres verteilen um dann im Wasser zu erstarren und somit dem potentiellen Angreifer ein Durchdringen zum Körper des Pantoffeltiers unmöglich zu machen oder zumindest zu erschweren? Nun, den "Abschuss" als solchen habe ich nicht erkennen können, ging wahrscheinlich zu schnell, aber die Wirkung konnte ich schon erahnen. Doch gegen ein "Gift" wie Formol schützt dieser Ring von starren Eiweißfäden nun doch nicht.

Im Phasenkontrastfoto sind die Trichocystenfäden um den Körper des Pantoffeltieres deutlich sichtbar. Leider konnte ich andere, eventuell bessere Aufnahmen im Internet nicht finden. Sollten Sie, sehr geehrte Leserin, sehr geehrte Leser solche Fotos im Internet finden oder von deren Existenz wissen, wäre ich für einen kurzen Hinweis per Mail an webmaster@mikroskopie-fuer-anfaenger.de dankbar.

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