Teich-Woche!

Wenn, wie bei uns in der Gegend rund um Düren (Rheinland zw. Köln und Aachen) die Papierindustrie beheimatet ist, finden Begriffe aus dem Berufsleben schnell auch Einzug in die tägliche Umgangssprache. So hat der Begriff "Teich - Woche" in der Papierindustrie einen festen Platz und beschreibt nichts anderes als Putz- und Flickstunden in den Betrieben, da diese in der Zeit der "Teichreinigungen" nun mal nicht produzieren können, weil ja Papier zu Herstellung enorme Mengen Wasser benötigt. Unter Teichen versteht die Industrie aber nicht wie der Normalbürger ein tiefes, großes Wassergefülltes Loch, sondern die Zu- und Abläufe zu den Produktionsstätten. Diese müssen nun in regelmäßigen Abständen, so viel ich weiß, einmal im Jahr gereinigt werden. Diese Zeit wird aber gleichsam auch zur Maschinenwartung und anderen anfallenden Reinigungsarbeiten genutzt!

Gerne habe ich für mich und meine Teiche diesen Begriff übernommen, steht er doch wie in der Papierindustrie auch, für eine schmutzige nicht gern getane aber unbedingt notwendige Tätigkeit. Nur, bei mir wurden es diesmal ganze zwei Wochen intensiver, Schweißtreibender aber unbedingt notweniger Arbeit.

Warum?

Nun, meine Teiche hatte ich bekanntermaßen ja mit dem Hauserwerb bereits fertig eingerichtet und schon einige Jahre alt, übernommen. Es zeigte sich nun in diesem Frühjahr, das der Wasserspiegel täglich bis unter ein unerträgliches Maß auf eine verbleibende "Pfütze" absank und täglich aufgefüllt werden musste. Dies konnte nur eines bedeuten, die Teichfolie hatte Löcher. Also, um dem gefräßigen Fischreiher nicht noch mehr Gelegenheit zur Jagd zu bieten, musste der Teich komplett ausgeräumt werden. Und da dies nun mal keine Arbeit weniger Stunden ist, sollte eine Lösung zum Verbleib der Fische gefunden werden die es dem Reiher unmöglich machte, sich noch mal zu bedienen. In den Jahren zuvor - bei den normalen Teichreinigungen - hatte ich ein normales Kinderplanschbecken mit 1,40 m Durchmesser und einer Höhe von ca. 40 cm aufgestellt. Dies reichte um die Tiere für einige Stunden auszuquartieren! Diesmal aber wurde ein richtiger Pool notwendig, denn die zweite Heimat sollte die Tiere mehrere Tage beherbergen. 3,60 m Durchmesser und 90 cm Höhe waren genau richtig um direkt neben den Teich aufgebaut zu werden. Bild 1 zeigt die vorübergehende Notlösung!

Zweite Heimat

Natürlich verband ich mit der Anschaffung auch einen kleinen Hintergedanken! Wenn die Fische wieder raus sind, könnten wir den Pool doch als willkommene Gelegenheit hernehmen, Sohnemann, 5 Jahre alt, die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Er muss nur wieder richtig gesäubert und danach mit Wasser befüllt werden. Na ja, in der Zwischenzeit hat sich Söhnchen bereits in den Pool verliebt und wartet täglich auf Sonnenschein.

Unsere Fische fanden den Pool anscheinend eben so toll, denn kaum eingesetzt schwammen sie ruhig und vollkommen stressfrei ihre Runden.

Doch die Fische und Pflanzen aus dem Teich in den Pool zu überführen war einerseits die geringste aller Arbeiten und andererseits nur die halbe Miete. Der Teich musste komplett trocken gelegt werden, um ihn ausräumen zu können. Die Tauchpumpe verstopfte immer wieder, je weniger Wasser sich über Grund befand. Die Menge an Biomasse hatte ich nun doch nicht erwartet! Bild 2 zeigt was ich meine!

Teich-Trockenlegung
Der Teichgrund war bis weit über die Knöchel mit stinkender, ausgasender Biomasse gefüllt. Die verbleibenden Wasserreste sammelten sich, wie im Bild zu sehen, oben auf der Masse und konnten nur mit einer kleinen Schüssel nicht jedoch mit einem Eimer abgeschöpft werden um sofort wieder aus der Masse nach zu laufen, eine schier unendliche Aufgabe so schien es. Es half nichts, so konnte ich die Masse nicht aus dem immerhin 1,60 m tiefen Teich austragen, die Eimer wären viel zu schwer geworden. Also musste ich auf besseres Wetter und die liebe Sonne hoffen, die mit ihren Strahlen das Wasser verdunsten ließ. Doch irgendwie hatte Petrus kein Verständnis für meine Nöte. Er ließ es tagelang regnen. Die mühevolle
Schöpfarbeit war in Null Komma Nichts wieder zu Nichte gemacht, ja mehr noch, die Pumpe musste wieder eingesetzt werden. Doch, mir kam nun eine Idee. Beim Nachbarn borgte ich mir einen Drahtkäfig mit ganz kleinen Maschen aus und schob die Masse in der Teichmitte so bis zum Grund beiseite, bis ich den Korb plan auf den Teichboden setzen konnte. Nun strömte nur noch das Wasser aus der Masse in den Korb und konnte von der Pumpe abgesaugt werden. Dies dauerte aber auch noch drei Tage, denn solange benötigte das Wasser um sich aus der Masse zu lösen und in den Korb zu fließen. Nachdem die Masse nun einigermaßen trocken war, konnte ich sie mittels Handschaufel und Eimern - immer zwei Eimer voll - aus dem Teich wuchten. Exakt "87" 10 Liter Eimer waren es. Diese Masse wurde in einer Gartenecke abgekippt und plan verteilt. In der Zwischenzeit wachsen aus ihr bereits irgendwelche Pflanzen unbekannter Art. Nachdem nun der Teich leer war, wurde die Folie zunächst mit einem Hochdruckreiniger von Algen und sonstigem Schmutz befreit. Langsam sah ich nun auch den Grund für diese mühselige Arbeit. Löcher über Löcher! Bild 3 zeigt einen Ausschnitt!
Folien-Löcher

Durch diese Löcher also war das Wasser in den Erdboden gelangt. Aber diese Löcher hatten auch ihr Gutes. Durch das größte - im Bild links zu sehen - konnte ich auch etwas mehr über die Konstruktion erfahren, sah ich doch, dass die Folie nicht nur auf den blanken Boden verlegt wurde, sondern zu ihrem Schutz - und hier kommt die nahe Papierindustrie wieder zum Zuge - mit alten Nassfilzen der Papiermaschinen unterlegt war. Diese Filze sind sehr strapazierfähig und Wasserbeständig.

Nun, nachdem nun die Folie mittels Hochdruckreiniger gesäubert war, mussten alle Löcher verschlossen werden. Eigentlich hatte ich ja vor, eine neue Folie einzuziehen, aber bei der Größe des Teiches hätte die Folie erst angefertigt werden müssen und wir wollten doch in den Urlaub fliegen. So musste es zunächst die alte Folie tun. Aus Erfahrung - es finden sich immer mal wieder Löcher im Teich, meist durch Ratten oder andere Nager hervorgerufen, welche sich bei ihrer Gangbuddelei schon mal in der Richtung vertun und im Teich landen - wusste ich, dass es am besten ist, die Löcher mit viel größeren Flicken zu schließen als eigentlich notwendig ist. Grund, der große Wasserdruck drückt einen größeren Flicken natürlich fester auf und die darunter liegende Folie und diese gibt noch eine Menge

"Fleisch" für die Klebfläche her. Es gibt im Handel zwar spezielle Flicken-Kitts, aber diese sind für solch einen großen Teich eher Spielzeug statt Hilfsmittel. Da kauft man besser ein großes Stück normaler Teichfolie und eine große Dose des Spezialklebers. Mittels Sandpapier rauht man nun die Stelle um das Folienloch kräftig an und bestreicht sie nach entfernen des Schleifstaubes umgehend mit dem Kleber. Dies ist wichtig, da der Kleber so antrocknen muss, dass eine Probe mit dem Handrücken kein "ankleben" mehr ergibt. Nun hält man ein größeres Folienstück über diese vorbereitete Fläche und schneidet es mit einer Schere auf diese Größe zurecht. Mit einem Pinsel trägt man nun dünn ebenfalls etwas von dem Kleber auf dieses Passstück und lässt ihn ebenfalls antrocknen. Ein großer planer Holzklotz gibt genug Kraft und Druckfläche um den Flicken auf das Loch und die mit Kleber vorbehandelte Folie zu pressen. Es empfiehlt sich, mit einem Heißluftföhn entlang der Flickenkante dieselbe soweit zu erhitzen, dass sie weich wird um immer und Stück für Stück, diese mit einem kleineren Holz nochmals fest an die Unterfolie anzupressen. Der Grund dafür ist einfach. Es bilden sich nämlich, falls man diesen Schritt auslässt, kleine Luftblasen oder Verwerfungen zwischen den beiden Folien, in die mit der Zeit Wasser eintritt und den Flickenrand anhebt. Irgendwann hat sich das Wasser unter dem ganzen Flicken verteilt und dieser erfüllt dann beim besten Willen ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr. Der Ärger beginnt von neuem.
Ende der Reinigung Ende der Reinigung 2
Nach der Arbeit
Diese drei letzen Bilder zeigen meinen Fisch-teich von vorn und hinten nach der Reini-gung und Renovierung der durchlöcherten Fo-lie, bereit, nun endlich wieder mit Wasser gefüllt zu werden. Wenn Sie sich über die Zunahme der Falten-bildung in den oberen beiden Bildern wundern sollten, dies ist ganz normal, da sich die Folie nach einer gewissen Zeit ohne den ent-sprechend hohen Wasserdruck entspannt und von Untergrund abhebt. Spätestens, wenn der Teich wieder seine max. Füllhöhe erreicht hat, sind die Falten verschwunden. Dies kann ich auf dem letzten Bild natürlich nicht zeigen. Die ersten Seerosenblätter zeigen sich bereits und es sieht

so aus, als wäre nicht viel geschehen. Auch die Fische ziehen wieder ruhig und gelassen ihre Bahn, nur unterbrochen in dem Augenblick, in welchem ich mit dem Futtereimer an den Rand trete. Dann gibt´s kein Halten mehr, gierig und bloß dem anderen nichts gönnend, wird nach allem geschnappt was wie Futter aussieht. Wer als Mikroskopiker die Möglichkeit hat, einen Teich im Garten anzulegen, sollte dies unbedingt tun, denn er bietet eine schier unerschöpfliche Quelle an Untersuchungsobjekten ohne große Exkursionen. Er bietet nicht nur Fischen Heimat, sondern was wichtiger ist, auch anderen Teichbewohnern die sich schnell einfinden. Aber auch Pflanzen die die Nähe des Wassers bevorzugen stellen sich fast von selbst ein, gönnt man ihnen nur ein klein wenig Rasenmäherfreie Zone.

Zum Schluss noch ein paar Daten zu diesem Teich:
Länge 12 Meter, Breite oberer Teichrand 6,60 Meter, tiefste Stelle 1,60 Meter! Fassungsvermögen ca. 25.000 Liter Wasser, Speisung aus einem Grundwasserbrunnen.

Nach gut 16 Tagen war der Teich wieder gut eingefahren, da ich ihn zu einem Achtel mit Altwasser geimpft hatte. Das Brunnenwasser hat annähernd Trinkwasserqualität, da es durch tiefe Kiesschichten filtriert als Bodenwasser einsickert, bzw. aus dem neueren Flussbett der Rur nachläuft, dies wird aber nur vermutet. Die Kiesschichten stammen noch aus einer Zeit als der Fluss "Rur" - nicht zu verwechseln mit dem Fluss Ruhr, hier sein ursprüngliches Bett hatte. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, das der Grundwasserspiegel hier bei ca. 1,80 Meter Tiefe liegt, obwohl ganz in der Nähe der Braunkohletagebau Unmengen an Sümpfungswasser abzieht und in anderen, in der Nähe liegenden Ortschaften der Grundwasserspiegel bereits erheblich tiefer liegt.

Wie gut der Teich in der kurzen Zeit bereits eingefahren ist, beweisen Filterproben aus denen noch folgende Bilder gewonnen werden konnten!

Panzerrädertiere Panzerrädertier, vermutlich:
Brachionus-calyciflorus-amphiceros
Blattfusskrebs
Unbekannter Blattfusskrebs vermtl. Chydorus?
Sauginfusor
Unbekannter Sauginfusor.

 

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