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Stereo - Fotografie "Kinderleicht" ?

Ja und Nein!

Geht es nach den Puristen der Stereofotografie, dann ist es im Grunde sehr kompliziert, da man viele Werte exakt einstellen und einhalten muss. Es gibt viele tolle Seiten, einige Bücher, die diese Zusammenhänge nicht nur erklären sondern auch mit Formeln und Berechnungen belegen.

Bergriffe wie: Deviation (parallaktische Verschiebung von korrespondierenden Bildpunkten), Nahpunktweite, Fernpunktweite, Stereobasis, richtige Blendenwahl uvm. Bestimmen durch ihre Einhaltung letztlich das exakte Stereobild! Da ist ganz schön Wissen gefragt... wer sich also von dieser Komplexität der Begrifflichkeiten, ihrer Bedeutung, Notwendigkeit der Einhaltung ein genaueres Bild machen möchte sei auf die Seiten von G.P. Herbig verwiesen. Zu erreichen unter..

http://www.herbig-3d.de
(
zur Zeit  komplett in Überarbeitung! Bei Klick auf die jeweilige Landesfahne sind jedoch alle (alten?) Seiten noch sichtbar!)

Da will ich überhaupt nicht widersprechen, alles ist richtig und korrekt, aber, es interessiert mich nur als Basisgrundlagenwissen, denn:

Es lässt sich draußen, also vor Ort, kaum wirklich und auch endlich realisieren.

Wer hat draußen in der Natur beim Spaziergang schon einen Faltmeterstab ("Zollstock") dabei um die Nahpunktweite korrekt zu ermitteln? Wer will im Gedränge eines Volksfestes schon ein Stativ mit Stereoschlitten und Kamera aufstellen wollen? Wer ist schon in der Lage, den Fernpunkt, z.B. ein Gebäude im Abstand zur Kamera korrekt einzuschätzen? Wer der vielen tausend Digicam-Besitzer kennt die Umrechnungswerte seiner Kamera gegenüber denen der normalen Kleinbildkameras. Und um gut mehr als 2000.- Euro für ne echte und gute 3D-Kamera auszugeben, bedarf es schon eines gewissen Fanatismus zur Raumbildbetrachtung! Schaut man sich z.B. die Preisliste unter http://www.rbt-3d.de an, so relativiert sich das Bedürfnis nach einer richtigen 3D Fotoausrüstung nebst Projektoren relativ schnell und eindrucksvoll. 4500 - 5000 € kommen da problemlos zusammen, Kosten, Arbeit für Bildentwicklungen und Rahmung noch nicht eingerechnet!  Das alles ist mit Verlaub hoch theoretisch und hilft in der Praxis dem "Otto Normalanwender" kaum, noch wird er für sein "neues" Hobby soviel Geld ausgeben wollen oder können...

...es sei denn, man richtet sich bewusst auf derartige Aufnahmen ein, hat eben eine echte Stereokamera, geht allein auf Motivsuche und hofft auf das richtige Licht und verständnisvolle Mitmenschen, ansonsten ist es doch im Grunde wohl eher so:

Man geht alleine, mit Freunden oder der Familie in der Natur oder in einem Ort, einer Stadt oder wo sonst auch immer, spazieren. Hat man nun seinen Fotoapparat oder seine Digitalkamera dabei und sieht ein interessantes Motiv, hält man einfach und aus freier Hand mal eben so "drauf". Es entstehen so in der Regel Bilder, die den Moment wiedergeben, die nie geplant, nie berechnet und nie "konstruiert" wurden, sondern nur der Erinnerung an einen besonderen Moment, ein spannendes Erlebnis, einen schönen Urlaub oder was sonst auch immer den Finger zum Auslöser bewegen ließ. Also es handelt sich somit um die "ganz normale" Alltagsfotografie, oft für einen fremden Betrachter sogar ohne rechte Sinnerkenntnis!

Die wenigsten von uns sind echte Fotografen, kennen kaum alle Zusammenhänge, fotografieren was vor die Linse kommt und haben kaum das notwendige Equipment, oder zumindest ein Stativ dabei. Es entstehen so also die berühmt , berüchtigten Momentaufnahmen - von echten Fotografen oft etwas verächtlich "Urlaubs- oder Familienfotos" genannt -, die hunderte von privaten Fotoalben füllen. Selbst, wenn man alles Notwenige (Stativ und eventuell sogar noch mit einem Stereoschlitten aufmontiert) dabei hat, werden Freunde und Familie kaum warten, bis das Objekt im rechten Licht, das Stativ am richtigen Platz und alle Einschätzungen und Einstellungen vorgenommen sind. Hier kann sich in der Regel nur der "Fotograf" dafür begeistern, allen anderen Beteiligten wird´s einfach zu langweilig. Selbst wenn alle Beteiligten Verständnis für die Situation haben sollten und tatsächlich warten wollen, bis alles eingerichtet und das Bild endlich im Kasten ist, läuft plötzlich irgend jemand durch´s Bild weil er von den mühevollen Tätigkeiten und Vorbereitungen des "Fotografen" nichts mitbekommen hat, ja diesen noch nicht einmal bemerkte um rücksichtsvoll außerhalb des Bildbereichs stehen zu bleiben. Viele Zeitgenossen "latschen" auch bewusst durchs Bild, oder müssen "rein zufällig" und im gleichen Augenblick das gleiche Motiv ablichten und stellen sich dazu kurzer Hand vor die eigene Kamera. Oft genug wird sich auch noch um den gerade eingenommenen Platz gestritten. Alles schon erlebt und deswegen aufgegeben, "das Stereofoto" unter Einhaltung aller Parameter zu schießen. Natürlich, es ist nicht so brillant, nicht so in Szene gesetzt, künstlerisch kaum wertvoll, sondern vielmehr eine reine Bauchentscheidung etwas, was man sieht festzuhalten um es mitnehmen zu können. Wenn dies dann noch einen räumlichen Eindruck hinterlässt, um so besser.

Genau in dieser Situation sind die meisten meiner Bilder auf der nachfolgenden Seite "Stereobilder" entstanden. Denn genau dies ist in der Regel die Alltagssituation der meisten Aufnahmen bei mir und vielen anderen Menschen.

Davon und wie man unter solchen Bedingungen immer noch eine brauchbare Stereoaufnahme hinbekommt, soll hier die Rede sein!

Da wir all die schlauen und mit Sicherheit richtigen Vorkehrungen, die in der Literatur und auf unzähligen Internetseiten so mühevoll und fachmännisch zusammengetragen und beschrieben wurden, "Draußen" kaum einhalten können, ja, mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal über eine Stereokamera (mit zwei nebeneinander angeordneten Objektiven) verfügen, kommen für unsere Aufnahmen nur einige der vielen Regeln in Betracht, die wir aber zumindest einhalten können und sollten!

Regel 1:

Um sinnvolle Stereoaufnahmen machen zu können, müssen wir uns dem Objekt vom späteren Betrachter aus gesehen, annähern. Denn der war schließlich nicht vor Ort und hat daher keine blasse Ahnung von der Gesamtsituation aus welcher wir ja nur einen kleinen "Ausschnitt" in unserem Foto auflösen.

Mit anderen Worten, es eignet sich nicht jedes Objekt als Stereoobjekt obwohl wir es im Augenblick der Aufnahme so sehen mögen. Grund: Unsere Augen nehmen draußen vor Ort viel mehr Informationen aus der Umgebung auf, aus denen unser Gehirn die räumliche Tiefe des Objekts ermitteln und ins rechte Umgebungsbild einpasst. Die Kamera dagegen nimmt viel zu wenig dieser notwendigen Umgebung auf um es dem Betrachter zu ermöglichen, das Objekt ebenfalls so plastisch und räumlich korrekt betrachten zu können. Somit gilt für ein in Stereo zu fotografierendes Objekt, dass seine Räumlichkeit einen fast anspringen muss um später auch auf dem Bild, losgelöst aus seiner sonstigen Umgebung, räumlich zu wirken. Dies können wir noch verstärken, indem wir dafür sorgen, dass ein schmaler Gegenstand, z.B. ein Laternenpfahl, eine Blumenampel o.ä. Objekt welches das eigentlich aufzunehmende Objekt nicht verdeckt bzw. sich nicht im Bild "aufdrängt" sondern in die Szenerie logisch einpasst, im Vordergrund steht, aber wiederum nicht so nah, dass die so genannte Nahpunktweite unterschreiten. Hier nutzen wir unsere und die Erfahrung des späteren Betrachters aus, dass alles was vorne steht nah und alles andere weiter weg sein muss. Nur sollte dieser Gegenstand natürlich nicht Bildmittig quasi "im Weg" stehen, sondern vielmehr im linken oder rechten Randbereich gerade wahrnehmbar sein. Mit diesem einfachen Trick vertiefen wir den räumlichen Eindruck noch. Dies ist besonders bei Objekten notwendig, die zwar auf uns vor Ort plastisch wirken, jedoch durch ihre tatsächliche Tiefe auf dem Foto diese kaum vermitteln. (Beispiel: Siehe altes Wegkreuz in der Bildserie auf der Bilderserienseite. Hier erreicht dies z.B. die Baumblätter im linken Randbereich, die frei ins Bild ragen. Das Holzkreuz selbst hat ob seiner Form kaum einen sichtbaren Tiefenbereich. So etwas muss zuzüglich auch noch Seitlich und nicht Frontal aufgenommen werden, um seine körperliche Tiefe zu vermitteln.)

Regel 2:

Der menschliche Augenabstand wird im Mittel mit 6,5 cm angenommen. Dies ist die "Stereobasis" mit welcher wir die beiden unterschiedlichen Aufnahmen machen sollten. Also zunächst Aufnahme "linkes Bild" Kamera um diese 6,5 cm (ungefähr) nach rechts versetzen (hier gibt es auch wieder einen relativ einfachen Trick zur Einhaltung dieses Abstandes, ohne die Kamera wirklich zu bewegen. Man stellt sich etwas Breitbeinig hin, verlagert das Körpergewicht für das linke Bild auf das linke Bein, macht das Foto und verlagert nun das Körpergewicht ohne die Kamera auch nur einen mm zu bewegen auf das rechte Bein und macht das rechte Foto. Dadurch wird die Kamera automatisch horizontal um einen gewissen Abstand verschoben. Dies funktioniert jedoch nicht bei Nah- oder Makroaufnahmen!) und nun Aufnahme "rechtes Bild"! Aber, diese Faustregel hat nur Gültigkeit für Objekte die in einer ca. Entfernung ab 2 Meter vom Fotografen stehen. Bei allen Objekten die diese Entfernung unterschreiten muss dieser Abstand verkürzt werden. Je näher das Objekt der Linse rückt, desto kürzer der Abstand der beiden Aufnahmepunkte. Da unsere Augen beweglich sind, fokussieren sie nahe Gegenstände automatisch und von uns unbemerkt. Dies müssen wir mit der Kamera nachbilden.

Regel 3:

Beide Aufnahmen sollten, besser müssen in der gleichen Höhenlinie und ohne Verkantungen nach oben oder unten aufgenommen werden. Der Grund ist sicherlich einleuchtend und muss daher nicht näher erklärt werden. Auch müssen unbedingt die Einstellungen (Entfernung, Blende usw.) der Kamera für beide Bilder 100% identisch sein.

Regel 4:

Wenn man nur mit einer Kamera und einem Objektiv aufnimmt, sollten keine beweglichen Objekte (Menschen / Tiere / Fahrzeuge) im Bild zu sehen sein, denn, egal, wie schnell die Kamera auch zwei Bilder hintereinander schießen kann, die Objekte sind schneller und stören später im Bild, da die Unterschiede einfach zu groß in beiden Aufnahmen sind. Oft aber lässt sich dies nicht vermeiden und wenn es nicht allzu viele bewegliche Objekte sind, die durch´s Bild huschen, kann man da auch noch etwas "tricksen". Wie ich das mache, erkläre ich auf einer weiteren Seite unter "Bildaufbereitung"!

Die Bilder auf der Folgeseite sind weitestgehend unter Einhaltung dieser vier Grundregeln aufgenommen worden, da sich dies ohne jede weitere Technik und Unterstützung relativ gut und sicher vor Ort anwenden lässt. Sicherlich, die ersten Bilder werden wahrscheinlich nicht so "toll" wie erwartet, denn etwas Übung bedarf es schon, geht aber mit der Zeit in Fleisch und Blut über. Mehr noch, ich mache jetzt grundsätzlich und in der Regel bei jeder Situation bereits automatisch zwei Bilder. Es sei denn, ich nehme bewusst bewegliche "Ziele" auf. Denn, gerade bei Digicams kann man, was nicht gefällt, einfach in den virtuellen Papierkorb befördern. Dies kostet schließlich lediglich etwas Akkukapazität und etwas Speicherplatz auf dem Speicherchip, dies lässt sich Bekanntermaßen einfach wieder zurückgewinnen. Da ist die echte Filmbelichtung schon etwas anspruchsvoller und man wird sich schon aus Kostengründen zurückhalten, all zu viel Ausschuss zu produzieren.

Was so alles, meist rein zufällig auf einem Spaziergang, einem Besuch im Freilichtmuseum oder wo man sich sonst noch so aufhält, an Bildmaterial von mir zusammengetragen wurde, können sie in Ausschnitten auf der Folgeseite "Stereobilder" in einem Java-Applet sehen. (Ihr Browser sollte also in diesem Falle Java-Applets zulassen. Ich verspreche Ihnen auch, dass dieses Applet in Ihrem System keinen Schaden anrichtet!) Ich wünsche viel Spaß und reichlich Anregungen beim Betrachten. Es sind alles reine Momentaufnahmen, nicht geplant und aus freier Hand geschossen. Etwaige Bild-Ungenauigkeiten bitte ich also zu entschuldigen obwohl ich bemüht war, diese richtig in Nachhinein aufzubereiten!

Womit und wie diese Bilder zu betrachten sind, erfahren Sie auf einer weiteren Seite: "Bildbetrachtungen"

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