Stereo Bilder mit dem Durchlicht- Monoobjektiv-Mikroskop
mittels Rot / Cyan Anaglyph-Verfahren!

Der Wunsch, mit beiden Augen Stereoskopisch auch mittels Monoobjektiv im Durchlicht Mikroskop zu sehen liegt auf der Hand denn schließlich kennen wir dies aus dem täglichen Gebrauch unserer Augen. Stereoskopisches Sehen verhilft uns nicht nur zur räumlichen Wahrnehmung unserer Umgebung sondern schützt uns ebenfalls vor heraneilenden Gefahren. Es ist somit unverzichtbar bzw. behindert diejenigen die aus bestimmten Umständen darauf verzichten müssen.

Wie stereoskopisches Sehen funktioniert dürfte hinlänglich bekannt und beschrieben worden sein. Aus diesem Grunde hier nur ein ganz grober Abriss:

Unsere Augen haben in der Regel einen Abstand von ca. 6,5 cm zueinander und bilden somit ein leicht versetztes Bild unserer Umgebung auf der Netzhaut ab. Im Gehirn wird nun aus diesen beiden unterschiedlichen Informationen des Bildinhaltes die räumliche Tiefe (dritte Dimension) errechnet. Dies geschieht aber nun nicht einfach bis in unendliche Entfernung sondern ab ca. 50 - 60 Metern Entfernung ist es uns nicht mehr möglich wirklich räumlich zu sehen. Wir können also ab dieser Entfernung im Grunde nicht mehr wirklich erkennen ob nun ein Gegenstand vor einem anderen oder hinter einem anderen steht. Wenn uns dies dennoch gelingt, so liegt dies an unserer Erfahrung. Uns ist im Laufe der Zeit bewusst geworden, das weit entfernte Dinge kleiner wirken als nähere Dinge. (Baumallee - Effekt.) Aus diesem Grunde erkennen wir ein kleiner wirkendes Auto in gewisser Entfernung nicht als potentielle Gefahr ohne die wirkliche Entfernung zu kennen, wir wissen einfach, dies ist noch weit weg. Kindern fehlt diese Erfahrung noch, sie können nicht nur Entfernungen nicht richtig sehen sondern auch noch nicht abschätzen. Aus diesem Grunde gilt: "Kinder in der Nähe, Fuß vom Gas!"

Im normalen Durchlichtmikroskop - auch mit Binokulartubus - sehen wir ein Bild ob des einzelnen Objektivs somit nur zweidimensional. Es fehlt einfach der Tiefeneindruck. Diesen Tiefeneindruck auch mit einem Monoobjektiv Mikroskop zu erreichen soll Ziel dieser Seite sein.

Es gibt hier verschiedene Wege, komplizierte und einfache. Teure und Preiswerte. Über letztere also eine einfache und zudem Preiswerte Methode soll hier berichtet werden.

Was Sie dazu benötigen sind nur zwei Dinge:

Zum einen eine Rot / Cyan Anaglyph Brille, zu beziehen aus dem Internet (siehe als Beispiel Link weiter unten) für ca. 1.- € sowie je ein kleines Stück roter und cyanfarbener Lichtdurchlässiger Folie. Diese ist bei uns zum Beispiel selbst in einschlägigen Bastel- oder Papierläden nicht zu erhalten!? Ob dies in Ihrer Region in einem der Läden verfügbar ist müssen Sie ggf. selbst raus finden. Notfalls, so habe ich es gemacht, bestellen Sie sich im Internet einfach noch eine Brille dazu und trennen nach Einweichen in einem Gefäß mit Wasser das umgebende Papier von der Folie. So haben Sie auf jeden Fall die richtige Farbkombination beider benötigter Dinge.

Zum anderen, die oben besprochene Folienkombination Rot / Cyan! Aus den beiden Folienstücken schneiden Sie nun jeweils ein Stück so groß aus, das es in Ihren hoffentlich vorhandenen Filterhalter unterhalb der Kondensor-Aperturblende hinein passt. In meinem Falle waren zwei Kreisrunde Folienstücke mit 32 mm Durchmesser zu schneiden bzw. auszustanzen. Diese beiden Folienstücke werden nun exakt übereinander gelegt und mittig in zwei gleichbreite Hälften durchtrennt. Sie benötigen zunächst von beiden Folien nur eine dieser jeweiligen Hälften, die anderen Hälften sollten Sie nun staubsicher irgendwo verwahren. Sie können diese später sicherlich einmal zur Neukonstruktion gebrauchen.

Die beiden anderen Folienhälften legen Sie nun gegenseitig gegeneinander geschoben auf ein rundes - bzw. in Ihren Filterhalter passendes - Glasplättchen gleichen Durchmessers. Gegen das gegenseitige Verschieben empfiehlt es sich, diese Folie auf dem Glasplättchen mit einem winzigen Tröpfchen Entellan oder ein anderes Einschlussmittel an den beiden gegenüberliegenden Seiten zu fixieren.

Das Ganze Sieht dann ungefähr so aus, hier eben, Kreisrund.

Sie können sicherlich auch versuchen, falls Sie einen Foto-Tintenstrahldrucker Ihr Eigen nennen, diese auf einer Folie auszudrucken. Es kommt aber entscheidend darauf an, wie klar und eindeutig dieser Druck ausfällt, also wie klar ROT und vor allem CYAN von Ihrem Drucker wiedergegeben wird. Einfach und somit genau entsprechend ist deshalb sicherlich die obige Methode. Diese Folienkombination legen Sie nun derart in Ihren Filterhalter, das sie das Licht exakt in zwei Farben auftrennt, und zwar senkrecht, wenn Sie von vorn auf Ihr Mikroskop schauen!

Am einfachsten kontrollieren Sie den richtigen Sitz (Stellung des eingeschwenkten Filterhalters) wenn sie über ein Einstellfernrohr verfügen und dieses in eines der Okularstutzen Ihres Bino- / Drinotubus einsetzen und auf die Folie fokussieren. Nachdem der rechte Sitz geprüft ist und das Filter als "Strahlenteiler" fungiert, können Sie zunächst mit einem Blick ohne Brille in die beiden Okulare prüfen ob Sie die Mischfarbe (Purpur) erhalten oder ob Rot bzw. Cyan überwiegt. Nun sollten Sie ein passendes Präparat auf den Objekttisch legen! Aber was ist denn passend?

Nun, pauschal gesagt, jedes Präparat mit einem Objekt passender "Höhe bzw. Dicke" welches auch in der Stereobetrachtung Sinn macht und eine gewisse Raumtiefendarstellung erlaubt. Ein Diatomeenpräparat ist somit wenig geeignet, da es kaum über eine ausreichende "Tiefe" verfügt.

Für den Einsatz mit meinem Spezialobjektträger "Micro-Life" siehe Hilfsmittel auf der Mikroskopseite sieht die Sache schon anders aus. Bedingt durch die Konstruktion der aufgeklebten Objektbahn ergibt sich von selbst eine ausreichende Tiefe. Hier liegen oder bewegen sich die Objekte in unterschiedlichen Lagen so dass sie kaum mit einer Fokusstellung des Objektivs zu erfassen sind. Durch die oben dargestellte Stereobetrachtungsmethode jedoch erkennt oder erahnt man zumindest die unterschiedlichen Ebenen in denen die Objekte stehen oder sich bewegen. Fokussiert man z.B. auf ein in der oberen Ebene schwebendes Ditritusteilchen und hat im Präparat frei schwimmende Wimperntierchen, so erscheinen zunächst Schemenhaft aus der Tiefe kommend immer deutlicher erkennbar werdend bis in die Fokusebene hinein um sich dann entweder entfernend oder abtauchend wieder aus dem Sichtfeld zu bewegen. Es lässt sich der Eindruck der sich einem bietet hier kaum in Schriftform ausreichend beschreiben oder darstellen. Befindet sich gar ein größeres Objekt wie ein Ruderfußkrebschen o.ä. unter dem Objektiv lässt sich deren Gestalt und Ausmaß je nach eingesetztem Objektiv und damit verbundenem Schärfentiefenumfang dreidimensional klar darstellen oder zumindest erahnen. Mittels der Anaglyph-Brille betrachten Sie dieses Bild nun im Stereomodus.

Haben Sie gar eine Kamera an Ihrem Mikroskop, so können Sie nun auch ein entsprechendes Foto davon machen, welches Sie dann entweder im Papierbild, Druck oder auf dem Monitor mittels der Brille Stereoskopisch betrachten können. Wie so etwas aussieht, sehen Sie im nachfolgenden Bild.

Ohne Brille erkennt man im Grunde 3 Bilder in einem. Das eigentliche Objektbild, sowie dessen Rot und Cyan Abbil-dung. Setzt man nun die Rot/Cyan Anaglyph-Brille auf, verschwinden diese beiden Farbauszüge umgehend und es ergibt sich zwanghaft die dritte Dimension, die Tiefe! Wir sehen also ein dreidimensionales Objekt. Hier ein Bärtierchenkorpus mit eingelagerten Eiern. Im Stereomodus fällt es nun nicht mehr schwer, die Position jedes einzelnen Eis einwandfrei zu deuten. Das obere (dunkle) Ei liegt über einem anderen usw. Zuge-geben, ich habe bei diesem Bild etwas geschummelt, es ist so nicht im Mikroskop sondern aus zwei Einzelbildern entstanden. Dies führt uns zu

einer weiteren einfachen Methode, wenn wir die Stereoabbildung nicht direkt im Mikroskop sondern auf dem Bildschirm, dem Papierbild oder im Druck sehen möchten. Es kann nämlich durchaus sein, dass uns ein Objekt interessiert, welches keinen großen "Tiefgang" hat und sich deswegen für die obige Filtermethode dem Grunde nach nicht eignet. Hier fertigen wir - mit ausgeschwenktem Filter - einfach zwei Bilder wie gewohnt an. Jedoch schieben wir vor der zweiten Aufnahme das Objekt mittels Kreuztisch ein winziges Stück nach links und nehmen es erneut auf. Dieses zweite Bild müssen wir uns als "Rechtes" Bild merken, das zuerst aufgenommene als "Linkes" Bild. Diese zwei Bilder verwahren wir auf der Festplatte oder falls es sich um echte Fotos handelt, deren Abzüge und gehen ins Internet, denn wir benötigen noch ein "kostenloses" aber in seinem Handling einfach geniales Programm, welches aus unseren beiden Bildern nun ein Farbanaglyph Foto zaubert. Dieses Programm benötigt wirklich nur einige wenige Tastenklicks und zaubert ein einwandfreies Bild. Der Name des Programms eines japanischen Programmierers nennt sich treffender Weise "StereoPhoto Maker" und wurde Menüseitig sogar ins Deutsche übersetzt. Zu laden unter: http://www.imax-hamburg.de/StereoPhotoMovieMaker.zip Die notwendigen wenigen Klicks zu einem fertigen Rot/Cyan Anaglyph Bild seien hier kurz und zum Schnellstart vorgestellt.

Nach dem Entpacken der Zip Datei in ein Verzeichnis eigener Wahl, klicken Sie einfach zum Programmstart auf das Programm "stphmkre-dt.exe" (Eingedeutschte Version) und das Programm öffnet sich ohne jegliche Installation sofort.

Nun unter Datei, "Linkes/Rechtes Bild laden" auswählen und die beiden abgespeicherten Bilder in dieser Reihenfolge gemeinsam anklicken und laden. Die beiden Bilder werden Ihnen dann gegenübergestellt auf dem Bildschirm angezeigt. Hier können Sie nun noch einmal kontrollieren, ob das Rechte Bild wirklich rechts und das Linke Bild Links zu sehen sind. Sie erkennen den Unterschied daran, dass im linken Bild das Objekt mehr nach rechts versetzt und umgekehrt zu sehen ist. Ggf. haben Sie neben dem Objekt ja noch einen Teil anderer Objekte, von denen im Bild Links, zur linken Seite mehr zu sehen sein muss wie im rechten Bild. Ob die beiden Bilder vertauscht wurden, erkennen Sie unschwer sofort, wenn Sie nun im Menü den Punkt "Stereo" anklicken und im sich daraufhin öffnenden Menü die Auswahl "Farb Anaglyph" und weiter "Farbe (rot/cyan)" bestätigen. Augenblicklich werden Ihre beiden Bilder in ein Anaglyph-Bild gewandelt, welches mit Brille besehen umgehend den Stereoeffekt erzeugt. Stellt sich dieser Effekt nicht sofort ein, können Sie mit aufgesetzter Brille unterhalb des normalen Menüs auf das Piktogramm eines rot/blauen Klötzchens mit Entgegengerichteten Pfeilen klicken, welche die beiden Bilder gegeneinander vertauscht. Nun muss sofort der Stereoeindruck entstehen, denn Ihre Bilder waren nur vertauscht geladen worden.

Die Entstehung des Anaglyph Bildes beruht demnach nur auf 4 Programmklicks ggf. 5 Klicks, falls die Bilder vertauscht waren. Dass das Programm noch viel mehr kann, erkennen Sie spätestens dann, wenn Sie Ihrem Bild noch etwas "auf die Sprünge" helfen müssen, weil der Stereoeindruck (noch) nicht überzeugt, die Bilder etwaige Höhendifferenzen usw. aufweisen, die mittels verschiedenster Programmfunktionen nachträglich korrigiert werden können. Das man nicht nur Mikroskop Bilder sondern sein Mikroskop auch Stereoskopisch aufnehmen und betrachten kann, zeigt nachfolgende Aufnahme, die mit einer Digi-Cam, hier der Coolpix 4500 im Makromodus in gleicher Manier wie oben beschrieben, entstanden ist.

Dieses Foto zeigt noch viel einprä-gender, was mit einfachen Mitteln an Steroskopi-schen Bild- und Gestaltungsmögl-ichkeiten gegeben ist, hat das aufzunehmende Objekt genügend Tiefe und somit Raum zu bieten. Erst in der Betrachtung mit Brille fällt uns die Dreidimensionalität selbst der winzigen Staubpartikel auf dem Objekttisch auf. Auch hat man nun das Gefühl, sogar die Auf-schrift auf dem Objektträger lesen zu können, wäre sie nur groß genug.

Ob es letztlich sinnvoll ist oder einen auch nur einen Erkenntnis-

gewinn bringt, Stereoskopische Aufnahmen mit dem Mikroskop zu fertigen, soll hier zunächst nicht Sinn unserer Betrachtung sein, dies wird später an anderer Stelle und nach Auswertung mehrerer noch zu machender Aufnahmen sein. Sinn war vielmehr, Ihnen hier diese einfache, preiswerte Methode einmal vorzustellen und eventuell Geschmack an der Sache bzw. Begehrlichkeiten und eigene Kreativität zu entfachen. Die Ausgaben für das Experiment Stereografie halten sich bei dieser Methode jedenfalls in akzeptablen Grenzen, selbst dann, wenn sie nach kurzer Zeit nicht mehr weiterbetrieben werden sollte. Die oben genannten Brillen finden Sie in gängigen Internetshops oder als Versteigerungsobjekte in einschlägig bekannten Internet-Auktionshäusern. Stellvertretend für einen Internetshop sei hier die Adresse http://www.3d-foto-shop.de/pi1045952687.htm?categoryId=10 benannt.

Achten Sie bitte auf dieser Seite immer wieder mal auf neue Links, auch innerhalb dieser Website, den ich plane, diese Seiten weiter auszubauen. Vorerst wünsche ich Ihnen bei eigenen Experimenten viel Vergnügen und knackscharfe Aufnahmen.

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