Fremdlinge in heimischen Gewässern
- Ungeahnte Gefahren und Risiken durch das Aussetzen tropischer Schildkröten -
Gerade in diesen Tagen kann man es wieder beobachten, sich in der Spätsommersonne wärmende Schildkröten, nicht etwa im daheim liebevoll gepflegten Aquarium, nein in unseren ach so vertrauten heimischen Gewässern.
Diese Tiere gelangen auf recht tragische Weise dorthin. Der Zoohandel bietet seit Jahren Schildkröten jeder Größe und in jeder Preisklasse an. Jedoch, wie könnte es anders sein, werden die Verkaufsmengen durch Tiere der unteren Preisgruppe erreicht, da es so dem Anfänger unter den Terrarianern möglich ist, zu erschwinglichen Preisen Erfahrungen auf Kosten der Tiere zu machen.
Arten wie die:
- Mississippi-Höckerschildkröte ( Graptemys kohnii ) Größe bis zu 27 cm
- Gelbwangen-Schmuckschildkröte ( Pseudemys scripta trostti)
Größe bis zu 25 cm
- Schnappschildkröte ( Chelydra serpentina ) Größe bis zu 50 cm
führen dabei die Verkaufsliste an.
Allzu oft erwerben Kinder und Jugendliche in Zoohandlungen kleine Schildkröten, ohne zu wissen, dass diese manchmal ungeahnte Größen erreichen.
Wenn man bedenkt, dass die o.g. Schildkröten von jedem ohne den geringsten Sachkundenachweis erworben werden können, fragt man sich, wo da der Schutz des Tieres bleibt. Meist macht man, auch bei der Anschaffung anderer Tiere, den Fehler, dass man zuerst das Tier kauft und erst dann die entsprechende Literatur. Dies sollte jedoch immer umgekehrt sein, denn besser einen Geldbetrag für Literatur umsonst auszugeben, als ein Tier durch Unkenntnis zu Tode zu pflegen. Besser noch sollte man sich an einen erfahrenen Schildkrötenpfleger wenden. Oft zu spät merkt der Laie, welchen Pflegeaufwand seine neuen Heimtiere benötigen; auch die laufenden Kosten für eine optimale Pflege werden oft unterschätzt. Allzu oft kommen diese Erkenntnisse zu spät und man möchte sich der Tiere entledigen.
Gerade in letzter Zeit scheint eine Sache besonders in Mode gekommen zu sein, man setzt die Schildkröten im nahe gelegenen Gewässer einfach aus, man ist ja schließlich "Tierfreund"!?
Aber gerade mit dieser unüberlegten Handlung schädigt man unser heimisches Ökosystem ganz enorm.
Wenn man sich einmal mit den Ernährungsgewohnheiten der Schildkröten vertraut macht, stellt man fest, dass diese sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Da kämen zum einen ohnehin schon bedrohte Amphibien, wie Bergmolch, Kammmolch, Fadenmolch und Teichmolch, als in Frage kommende Nahrung vor. Große Exemplare der Schnappschildkröte machen wohl kaum vor einem Wasserfrosch ( Rana esculenta) halt.
Forelle, Schleie, Rotfeder
und Moderlieschen werden ebenfalls nicht verschmäht. Zahlreiche Wirbellose und
Pflanzen vervollständigen das Nahrungsangebot. Unsere heimische Tier- und
Pflanzenwelt ist nicht auf tropische Mitbewohner eingestellt, daher fehlt sehr
oft das natürliche Abwehrverhalten. Solange jedoch profithungrige Tierhändler
weiterhin hunderttausende Schildkröten Jahr für Jahr aus ihren natürlichen
Biotopen herausgefangen und in aller Herren Länder exportieren, bleibt es
unsere Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, daß den Tieren eine optimale Haltung
sicher ist. Dies kann nur geschehen, wenn jeder Interessent sich im Sinne des
Tieres sachkundig macht. Die örtlichen Tierschutzvereine stehen jederzeit mit
Rat und Tat zur Seite.
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