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Das "Frings´che" - Tierleben

Seltene Gäste im Burgauer Wald (Nutrias)

 

Von Jürgen Frings

 

STECKBRIEF:

Ordnung: Nagetiere

Familie: Biberratten

Ursprung: Südamerika

 

Als ich im Januar 1997 einen Anruf von einem jungen Mann bekam, in welchem er mir mitteilte, dass sich im Bereich des Burgauer Schlosses und dem angrenzenden Weiher eine Nutria-Familie aufhielt und diese ihm gegenüber relativ zutraulich wäre, wollte ich es nicht so recht glauben.

In den darauf folgenden Tagen nahm ich das Angebot des jungen Mannes an und wir trafen uns Vorort. Am Ufer des Gewässers angekommen wurden die Tiere von ihrem "Schutzpatron" angelockt. Fast völlig ohne Scheu nahmen sie von ihm die angebotenen Möhren an. Ich musste jedoch in ca. 10 Meter Entfernung verweilen, da die Tiere mir als Unbekanntem noch nicht das entsprechende Vertrauen schenkten.

Die possierlichen Tiere hatten sich, angefangen von der steil abfallenden Uferböschung, einen riesigen Erdbau mit geräumigem Kessel und mehreren Ein- und Ausstiegen, die sowohl über als auch unter Wasser liegen, angefertigt. Der Nutria oder auch Biberratte ( Myocastor coypus) wird oft alternativ Sumpfbiber genannt und bewohnt in seiner ursprünglichen Form Südamerika von Chile bis Patagonien. Bei uns sind die Tiere im 19. Jahrhundert durch Fluchten aus Zuchtfarmen ansässig geworden.

Die Körperlänge beträgt etwa 40 - 50 cm, die des Schwanzes 35 - 40 cm.

nutriawasser.jpg (23091 Byte)

(NUTRIA-Bildmaterial: © by Dieter Rink) //Für das Internet aufbereitet: SYSTEM´S 2000//

Ihr Pelz ist extrem dicht, so dass sie auch hohe Minusgrade problemlos ertragen können. Der grau- bis schwarzbraun gefärbte Leib wirkt gedrungen. Der Hals ist kurz und dick, der Kopf lang, platt und stumpfschnauzig, die Nasenspitze und die Lippe weiß oder hellgrau, das Auge mittelgroß und vorstehend, das Ohr klein, die Beine dagegen kurz und kräftig, die Füße fünfzehig und stark bekrallt, an den Hinterfüßen durch Schwimmhäute verbunden; der Schwanz drehrund, würfelartig geschuppt und borstig behaart.

Nutrias sind überaus fruchtbare Tiere. Zweimal im Jahr wirft das Weibchen nach einer Tragzeit von 15 Wochen 5 - 10 Junge, die überraschend groß und weit entwickelt sind. Sie folgen ihr schon nach wenigen Tagen bis ins Wasser. Die Zitzen der Nutria stehen ungewöhnlich hoch an den Körperseiten, so dass die säugenden Jungen sehr leicht die Nasenspitze über den Wasserspiegel heben können.

Bereits in diesem Alter entwickeln die Jungen ihren ausgesprochenen Familiensinn und halten sich immer in der Nähe ihrer Eltern auf. Entfernen sie sich dennoch einmal weiter, so folgt ein Knurren und Brummen, um sie wieder zurückzurufen.

Abzuraten sei auf jeden Fall, sich den Jungen zu nähern oder sie gar anfassen zu wollen, da die Elterntiere diese selbstlos verteidigen. Die Jungen bleiben bis zu einem Alter von ca. 2 Jahren im Familienverband und suchen sich danach erst ein eigenes Revier.

Die Tiere ernähren sich ausschließlich vegetarisch. Lediglich aus Haltungen in Zuchtfarmen ist mir bekannt, dass hier und da auch Fleisch genommen wurde. Als besonderen Leckerbissen nehmen sie gerne Möhren an.

Nutrias können sehr zutraulisch werden. (Bildgröße-10343 Byte)  

Bei stetig großem Nahrungsangebot können die Tiere im ausgewachsenen Zustand ein Gewicht bis zu 9 kg erreichen.

Da es in unserem Bundesland nicht dem Jagdrecht unterliegt und daher auch nicht bejagt werden darf, erreicht es hierzulande durchaus ein Alter von bis zu 10 Jahren. Leider ist das nicht in den Bundesländern Bayern, Hessen und Sachsen so. Dort dürfen die Tiere unverständlicherweise ganzjährig bejagt werden. Hierzu bedarf es denn wohl von Seiten der Behörden einer plausiblen Erklärung, was schwer sein dürfte. Angesichts der heute unaufhaltsam voranschreitenden Zerstörung von Naturräumen ist es mir eine große Freude, diese Tiere hier bei uns vorzufinden und beobachten zu können.

Gerade in einem stark frequentierten Naherholungsbereich, wie dem Burgauer Forst, hätte ich am wenigsten darauf gehofft Nutrias zu finden. Wer weiß, was für Schätze dieses Stück Land noch verbirgt.

Dieser Bericht soll keineswegs als Aufforderung gedacht sein, sich hier nun auf die Suche nach den Nutrias zu machen, sondern in Anbetracht ihrer Existenz sich darüber zu freuen.

Letztlich gilt mein besonderer Dank Herrn Fred Oepen, er möge auch in Zukunft ein wachendes Auge auf diese liebenswerten Geschöpfe haben.    
    

Ein Nutria kann sogar zahm werden, wie man sieht!

Wir danken Herrn Dieter Rink für die freundliche Überlassung des Nutria-Bildmaterials.

 

ACHTUNG: Tragisches Ende der Nutrias im Burgauer Wald?

Nach bisher unbestätigten Meldungen sollen die Nutrias im Burgauer Wald vergiftet worden sein! Wenn dies stimmen sollte und jemand genauere Hintergründe kennen oder diese Meldung bestätigen kann, bitte ich um Rückmeldung per e-mail unter peter.buendgens@sys2000.de  Auch gegebenenfalls sachdienliche Hinweise auf den oder die Täter wären von großem Nutzen. Bitte helft mit diesen Frevel (wenn er zutreffend sein sollte) aufzuklären!!!

Zu dem Nutriabeitrag erhielt ich einen interessanten Leserbrief per Mail, welchen ich Ihnen mit Einwilligung des Absenders nicht vorenthalten möchte.

Sehr geehrter Herr Bündgens,

mit Interesse habe ich Ihre Internetseite betrachtet und gelesen. Ich komme aus Niedersachsen und habe schon seit längerer Zeit mit Nutrias zu tun.

Der dichte Pelz der liebenswürdigen Tiere ist zwar sehr dicht und hält vielleicht auch bei leichten Minusgraden noch warm, tatsächlich erfrieren oder verhungern etwa 90 % der Tiere im Winter. Der lange runde Schwanz ist fast nackt und friert (zumindest teilweise) recht schnell ab. In harten Wintern kriecht den Tieren der Frost ins Rückgrat und sie verenden. Kleine Nutrias überleben nur milde Winter. Da die Tiere sehr anpassungsfähig sind und sich im Sommer sehr stark vermehren (sie bekommen auch im Winter Junge, die aber meist nicht lange leben), wimmelt es bei uns in der Gegend von Nutrias. Die starke Vermehrung der Tiere in den letzten 15 Jahren ist nur auf milde Winter zurückzuführen. Als wir vor einigen Jahren einen etwas härteren Winter hatten, ist nahezu der gesamte Bestand zusammengebrochen. Langsam ist der Bestand, vermutlich auch durch zugewanderte Tiere, inzwischen wieder sehr hoch.

Leider verursachen diese munteren Gesellen durch ihre Baue beträchtliche Schäden an Uferböschungen und Dämmen. Es ist bei uns schon vorgekommen, dass landwirtschaftliche Maschinen in die großen, dicht unter der Erdoberfläche liegenden Wohnhöhlen eingebrochen sind. Durch den großen Bedarf an pflanzlicher Nahrung entstehen bei entsprechendem Nutriabestand deutliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und der Vegetation (Bäume, Gebüsche und Schilf). In unserer Region sind neben den Uferschäden hauptsächlich Schäden an Getreide- und Maiskulturen zu verzeichnen. In Zuckerrübenanbaugebieten werden Zuckerrüben bevorzugt aufgefressen oder angenagt.

Während wir Landwirte die Kosten der Ernteeinbußen selber tragen müssen, sind die Boden- und Wasserverbände für die Wiederherstellung der Ufer zuständig. Deshalb gibt es in vielen Gemeinden eine Prämie für jeden abgelieferten Nutriaschwanz. Gebietsweise werden Nutrias ebenso wie Bisamratten gezielt durch entsprechende Fachleute bekämpft. Auch in Bundesländern, in denen Nutrias nicht dem Jagdrecht unterliegen, können (nach kurzer Genehmigung) Jäger auf Nutrias jagen und bekommen dafür Prämien. Wenn die Nutrias dem Jagdrecht unterliegen (in Niedersachsen erst seit diesem Jahr), haben die Jagdausübungsberechtigten das alleinige Recht auf die Nutzung dieser Wildart in ihren Revieren und keine Anderen (z. B. beauftragte Nutria- und Bisambekämpfer) dürfen diesen Tieren dann nachstellen. Das kommt den Nutrias zugute. Denn bei einer systematischen Bekämpfung würde das ganze Jahr über unselektiv (also auch Muttertiere) mit Totschlagfallen gefangen oder möglicherweise sogar Gift eingesetzt. Eine Bekämpfung hat das Vernichten des Bestandes zum Ziel, während das Ziel der Jagd eine nachhaltige Nutzung und ggf. eine Reduktion des Bestandes ist.

Auch wenn Sie es zynisch finden mögen, dass ich als Nutriajäger eine Vorliebe für diese Tiere habe, sehe ich in meinem Denken und Tun keinen Widerspruch. Die Tiere sind in unseren Breitengraden nicht heimisch und dementsprechend nicht auf den Winter eingestellt: Der Schwanz ist nicht wärmeisoliert und führt jedes Jahr zum Erfrieren vieler Tiere (viele ältere Nutrias haben nur noch kurze Schwänze), Nutrias legen keine Wintervorräte an und hungern im Winter, Nutrias bekommen auch im Winter Junge, die kaum eine Überlebenschance haben. Solange die Jagd auf Nutrias vernünftig und selektiv ausgeübt wird, ist nichts dagegen zu sagen. Gerade jetzt im Herbst und Winter vergrößert sich durch die Jagd das Nahrungsangebot pro Tier und damit die Überlebenschancen der verbleibenden Tiere. Nutrias, die bei der Jagd kurz und schmerzlos mit einem Schuss erlegt werden, müssen nicht erfrieren, verhungern bzw. werden nicht vergiftet. Bei der waidgerechten Jagd steht immer das Tier im Mittelpunkt. Es muss erkannt werden, ob es sich um ein führendes Muttertier handelt oder nicht. Muttertiere sind zu schonen, andere sind mit einem sauberen Schuss zu erlegen und anschließend möglichst vollständig (Fleisch und Pelz) zu nutzen. Die Jagd auf Nutrias ist eine nachhaltige Nutzung der Natur. Wer Nutrias isst, isst zumindest in dem Moment kein anderes Tier, das möglicherweise unter nicht tiergerechter Weise vom Menschen gehalten, kilometerweit transportiert und geschlachtet worden ist. Meines Erachtens hat die Jagd einen sehr geringen Einfluss auf den Bestand, da der Winter Hauptregulator der Bestände ist. Anders wäre es ggf. bei einer systematischen Bekämpfung der Tiere durch entsprechend beauftragte Fachleute - dies ist aus rechtlicher Sicht aber nicht möglich, solange die Nutrias dem Jagdrecht unterliegen.


Deshalb sollten Sie sich auf Ihrer Internetseite für das Jagdrecht auf Nutrias und nicht dagegen aussprechen.


Mit freundlichen Grüßen

Johannes G
.*
      Landwirt und Jäger

* Der vollständige Name ist dem Sitebetreiber bekannt.

   
Kommentar:

Ich habe mich in dem obigen Artikel in keiner Weise  gegen eine Bejagung der Nutrias ausgesprochen. Wie sollte ich auch, dazu bedarf es einer gewissen Sachkenntnis, zum einen über die Jagd, ihren Gesetzmäßigkeiten und den verfolgten Zielen, zum anderen über eine Nutriapopulation die Schäden anrichtet, über diese Sachkenntnisse verfüge ich nicht!

Ich habe mich lediglich dagegen ausgesprochen, das im Burgauer Forst die kleine Familie der vorhandenen Nutrias, die vielen Besuchern als willkommene Abwechslung zu den übrigen Bewohnern des Burggrabens dienten, allem Anschein nach vergiftet wurden und dies nicht aus der  zwingenden Notwendigkeit entstandener oder zu befürchtender Schäden heraus, sondern vielmehr aus niedersten Beweggründen geschah.

 Dagegen vorzugehen, empfinde ich allerdings als eine selbstverständliche und notwendige Verpflichtung, eines jeden Menschen unnötiges Töten mit allen Mitteln zu verhindern.

Webmaster

 

 

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