Bildbearbeitung

Nachdem unsere Doppelbilder aufgenommen und zu Hause auf den Rechner übertragen wurden - falls man mit echtem Film arbeitet, muss man die fertig entwickelten Papierbilder dazu erst mittels Scanner digitalisieren - geht es zunächst an das Aussuchen!

Mit etwas Übung erkennt man mit der Zeit, welche der Bilder sich für eine weitere Bearbeitung eignen könnten. Anfänglich sollte man ruhig alle Bilder bearbeiten um eine gewisse Routine und Übung zu erlangen. Man stellt so viel schneller fest, welche Fehler man macht und worauf man in Folge achten muss. Auch empfiehlt es sich, etwa geeignet erscheinende Motive anfänglich aus verschiedenen Positionen und in größerer Stückzahl auf zu nehmen. Wie gesagt, verwerfen kann man immer noch.

Jetzt ist es auch an der Zeit, sich um die notwendige Software zu kümmern und diese ggf. aus dem Netz zu laden! Es gibt mannigfaltige Software zum Thema "Stereo-Fotografie und Bearbeitung" kostenlose ebenso wie kommerziell hergestellte. Ihren Favoriten müssen sie für sich schon selbst ermitteln. Mir obliegt es hier, Ihnen ein kostenloses und überaus geniales Softwareprogramm mit dem bezeichnenden Namen "StereoPhoto Maker" eines japanischen Autors vorzustellen.

Dieses Programm beinhaltet alles, was Sie zum schnellen und effektiven Bearbeiten Ihrer digitalen Doppelbilder benötigen.

Kostenlos für den privaten Nutzer zu laden unter: http://stereo.jpn.org/eng/index.html Nach dem Download der ZIP Datei ist diese zu endpacken und die darin enthaltene EXE Datei sofort und ohne jede weitere Installation zu nutzen. Ich empfehle, sich dabei der neuesten Version Nr. 3.10 vom 03.11.2006 in englischer, aber nun bereits auch mit gleicher Versionsnummer in deutscher Sprache! (Zu erreichen mittels Klick auf die Deutschland-Flagge).

Nachfolgende Darstellungen beziehen sich jedoch noch auf die Version 2.25, es ist einfach unmöglich bei jeder Programmrevision die folgenden Erklärungen anzupassen oder gar zu erweitern. Dies müssen Sie sich bei unterstelltem Interesse einfach selbst erarbeiten. Hier soll ja nur eine Schnellanleitung vorgestellt werden.

Nach dem Aufruf zeigt sich zunächst das Programm wie in der nebenstehenden Grafik dargestellt, nur mit einem schwarzen Hintergrund und lediglich 4 Menüauswahlmöglichkeiten, auf den ersten Blick eher sehr "übersichtlich"! Dies ändert sich aber schlagartig, wenn wir über das Menü...

... File > "Open left/Right Images" (Linkes/Rechtes Bild öffnen) die beiden ersten Doppelbilder laden. Hier sei angemerkt, dass wir diese getrost in zwei unterschiedliche Ordner ablegen können, denn, dem Programm einmal mitgeteilt, fragt es beim linken Folgebild
automatisch nach dem rechten Folgebild und zeigt auch den entsprechenden Ordner! Wie praktisch das ist, zeigt sich schnell im Verlauf der weiteren Arbeiten. So öffnet man nacheinander alle abgelegten Aufnahmen mit dem dazugehörigen zweiten Bild!

Und siehe da, schon wird aus dem vormals spartanisch an-mutendem Programm ein vollwertiges     Bearbeitungs-programm mit einer zweiten Auswahlleiste und umfang-reichen Menüeinträgen. Diese alle einzeln hier vorstellen zu wollen würde den Rahmen dieser Seite sprengen, lässt sich aber relativ schnell und vor allem intuitiv selbst erar-beiten! Hier sollen nur die wichtigsten Arbeitschritte ge-zeigt und behandelt werden. Da es verschiedene Arten der Betrachtung von Stereobil-dern gibt, sollten diese auch vom jeweils eingesetzten Programm unterstützt wer-den. Hier verhält sich das Programm "StereoPhoto Maker" vorbildlich und unterstützt die am häufigsten benutzen Betrachtungsver-

fahren für Anaglyph (für unterschiedliche Farbbrillen), Parallel- und Kreuzblick, Übereinander für KMQ-Brillen, Vertikal- und horizontal Darstellung, sowie Shutterbrillen. Diese Auswahlen stehen unter dem Menüpunkt "STEREO" zur Verfügung und man kann in der Regel durch Auswahl per Maus oder die Sondertaste "F1 - F12" in diesen springen. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, fertige Bilder in einem Ordner abzulegen und dann eine komplette Webseite automatisch erstellen zu lassen, die über eine Auswahl aller Bilder verfügt und mit Klick auf ein Bild automatisch ein Java-Applet startet, welches dieses Bild dann präsentiert.

Das Hauptproblem Freihand aufgenommener Doppelfotos kann mannigfaltiger Art und Weise sein. Meist wird man die Aufnahmehöhe des linken zum rechten Bild nicht genau einhalten, was aber für eine 3D Darstellung unerlässlich ist. Genau so wird man vor allem Anfänglich eine viel zu weite Stereobasis (also der horizontale Abstand zwischen den beiden Bildern) wählen, da sich die maximalen 6,5 cm kaum richtig einschätzen lassen. Sie ist in der Regel einfach zu breit gewählt. Da sie davon ausgehen können, dass beide Fehler sehr oft, eventuell sogar regelmäßig in Ihren Bildern auftauchen, sollten Sie sich unbedingt eine Anaglyph-Brille (Rot/Cyan) anschaffen, egal womit sie Ihre Bilder später auch betrachten mögen, diese Brille wird für sie zum unerlässlichen "Muss". Da diese Brille in der Pappausführung nur wenige Euro-Cent kostet, (die Luxusausführung knapp 10.- Euro) ist dies keine Finanzfrage sondern eher eine Beschaffungsfrage. Aber, nur mit der Ruhe, bevor Sie nun vergeblich zu Ihrem Optiker laufen, hier zwei Internetadressen, wo Sie diese schnell und einfach online bestellen können.

1. http://www.3d-foto-shop.de und

2. http://www.perspektrum.de

(Das Sie hier noch weitere Artikel rund um die 3D Fotografie bestellen können, versteht sich von selbst!)

Nachdem nun diese Hürde ebenfalls genommen ist, können Sie nun loslegen, die o.a. Fehler weitestgehend zu eliminieren. Dazu lädt man zunächst die beiden Bilder (linkes/rechtes) und wählt sodann aus dem Menü unter >Stereo >>ColorAnaglyph >>>half color (red/cyan). Nun verändern sich im Arbeitsfenster des Programms die beiden sichtbaren Bilder und wir erhalten folgendes Gesamtbild!

Dieses, auf den ersten Blick verwirrende Bild sieht, nachdem man die Rot/Cyan Brille auf der Nase hat, gar nicht mehr so verwirrend aus. Mit einem Schlag bekommt das Bild Tiefe, und die Roten und Cyan-farbenen Bildteile verschmelzen zu einem Ganzen. Lediglich, wenn man genau hinschaut, wirken die beiden Personen im Fordergrund irgendwie unscharf. Weiterhin scheint es so, als ob alle sichtbaren Objekte von einem Geisterhaften Rand umgeben wären. Nun bitte ich Sie, abwechselnd einmal das linke und danach das rechte Auge zu schließen, wie Sie dabei unschwer erkennen ändern sich die Personenbilder bei jedem Lidschlag. Warum? Nun, ganz einfach, zwischen der ersten und der zweiten Aufnahme ist natürlich eine gewisse Zeit vergangen, in welcher sich "bewegliche Objekte" (Menschen / Tiere / Maschinen usw.) weiterbewegen. Je mehr Zeit also zwischen diesen beiden Aufnahmen vergeht, um so mehr Veränderungen bis hin zum totalen Unterschied findet man in beiden Bildern. Aus diesem Grunde lassen sich "bewegliche Objekte" auch nur mit einem Stereo-Fotoapparat - also mit zwei Linsen nebeneinander oder mit zwei identischen Kameras nebeneinander montiert und über einen Auslöser gleichzeitig ausgelöst - sicher und Unterschiedsfrei aufnehmen. Oft jedoch sind gerade die interessantesten Objekte von Menschen umgeben. Ausstellungen, Volksfeste, Wanderungen usw. so dass man ganz zwangsweise "bewegliche Objekte" ins Bild bekommt . Dies muss später korrigiert werden. Doch zunächst müssen wir uns erst einmal um Höhenunterschiede bzw. eine zu breite oder zu schmale Stereobasis kümmern.
 
Um nun z.B. bei oben gezeigter Aufnahme dies tun zu können, bedarf es zunächst der Arbeit, die beiden Bilder "deckungsgleich" in der Höhe zu korrigieren und danach die Stereobasis zu optimieren. Hierzu ist unser vorgestelltes Programm "Kinderleicht" bedienbar ohne Probleme in der Lage. Man nimmt zunächst die Brille wieder ab und korrigiert die Höhe durch Klicken auf die Pfeil nach oben/ nach unten Tasten, so lange, bis die Rot/Cyan Ausläufer horizontal auf einer Linie liegen. Jetzt setzt man die Brille wieder auf und korrigiert mit den beiden nach links/ nach rechts Pfeiltasten die Stereobasis auf beste Tiefenwirkung. (die beiden Bilder werden dabei ineinander/auseinander geschoben, so dass die Rot/Cyan Ausläufer sich dem eigentlichen Objekt nähern oder von ihm entfernen.) Dabei sollte man eine besondere Regel - die nur unter bestimmten Umständen verletzt werden sollte - immer einhalten. Das Stereobild erscheint immer hinter dem "Scheinfenster"! Was das "Scheinfenster" ist bzw. was man darunter versteht, zeigen zwei vollkommen identische Aufnahmen, wobei das Linke Bild diese Regel missachtet (durch das Wort FALSCH gekennzeichnet) das rechte Bild diese jedoch einhält. Eventuell stellen Sie mit der Rot/Cyan Brille auf der Nase ja sofort fest, was gemeint sein könnte? Wenn nicht, ich erkläre es im Anschluss!

Bitte betrachten Sie die bei-den Aufnahmen einmal in Ru-he! Na fällt Ihnen auf, was mit "Scheinfenster" gemeint sein könnte?

Im linken Bild ragt das Objektiv des Mikroskops förmlich aus dem Bild heraus, während im rechten Bild alles hinter einem "scheinbaren" Fenster liegt. Ähnlich als würde man durch ein Fenster nach Draußen blicken. Zugegeben, das linke Bild wirkt natürlich spektaku-

lärer! Es scheint fast so, als könne man das Objektiv anfassen und abschrauben! Aber die rechte Darstellung ist die korrekte. Das man den Effekt im linken Bild natürlich ab und zu anwenden kann um etwas Besonderes zu zeigen, oder einfach den Betrachter zu verblüffen, versteht sich von selbst und widerspricht der "Scheinfenster" Regel nicht! Interessant, da Sie die Brille schon mal auf der Nase haben, ist der Vergleich der beiden Texte "Falsch / Richtig" unten im Bild. Während im linken Bild der Text im Hintergrund zu liegen scheint, steht er im rechten Bild ganz vorne, noch vor dem Objektivrevolver. Glauben Sie mir ruhig, beide liegen auf einer Ebene, wie übrigens der gesamte Inhalt beider Bilder nur auf einer Ebene liegen. Verblüffend, oder nicht? Da beide, hier gezeigte Aufnahmen aus einer Stereodoppelbild Folge entstanden sind, beweißt die Möglichkeiten dieses Programms. Einfach durch längeres Drücken der nach links/rechts Pfeiltasten verschiebt man die beiden Bilder so lange gegeneinander bis der richtige Stereoeindruck entsteht. Hier hilft nur Übung, Übung und nochmals Übung, vor allem dann, wenn die Bilder per Freihand aufgenommen wurden!

Um es kurz zu machen, mittels Anaglyph-Darstellung richten Sie fast jedes Bild in ein brauchbares Ergebnis. Das dies sogar mit Doppelbildern möglich ist, die Jemand auf Geheiß gemacht hat, der überhaupt keine Erfahrung damit hat, zeigen wohl überdeutlich die drei Parisbilder auf der Stereobildseite, die meine Frau anlässlich eines Berufsbedingten Aufenthaltes in Paris aus Ihrem Hotelfenster gemacht hatte. Ich bat sie lediglich, zu versuchen, jeweils zwei Aufnahmen mit einem gewissen horizontalen Abstand und einer ungefähren Beibehaltung der Aufnahmehöhe machen zu wollen.

Nachdem wir unser Bild unter Zuhilfenahme der Anaglyph-Technik so ausgerichtet haben, das die Regeln so einigermaßen eingehalten wurden, das Bild also beim Betrachten mit der Brille "stimmig" scheint, drücken wir kurz die "F9" Taste bzw. wählen aus dem Stereomenü "side-by-side" aus, damit wir wieder wie oben zu sehen zwei nebeneinander liegende Normalfarbbilder erhalten. Es wird uns kaum ein Unterschied der beiden Bilder nach dem "Zurechtrücken" zu denen nach dem ersten Ladevorgang auffallen, aber glauben Sie es ruhig, die Bilder wurden genau um den vorher eingestellten Betrag verschoben. Sie sollten sich nun grundsätzlich angewöhnen, das fertige Bild in dieser Doppelbilddarstellung als Stereobild abzuspeichern, denn es lässt sich so immer wieder in den StereoPhoto Maker einladen und nachbearbeiten und mit anderen Parametern unter anderem Name ggf. speichern. Mit einem als Anaglyph-Stereo abgespeicherten Bild geht das nicht, ein so geladenes Stereobild in zwei Einzelbilder aufgeteilt, verliert die Farbinformation!

Und noch ein letzter Hinweis:

So schön das Anaglyph-Halbfarben Stereobild auch aussehen mag, in den seltensten Fällen stimmt die Farbdarstellung, so werden logischerweise alle roten Farben im Bild unterdrückt, andere verfälscht.

Hier sollte man sich zusätzlich zur Rot/Cyan Brille noch einen billigen Pappbildbetrachter, eine Lorgnette oder eine KMQ-Brille mitbestellen. Kostet ebenfalls nur wenige Euro, entschädigt aber mit klaren, zu erwarteten Farben.

Und falls Sie sich einmal an etwas schwererem versuchen wollen, wie wäre es denn einmal mit einem 360° Stereo-Panorama? Das dies mit den hier vorgestellten Schritten sehr wohl funktioniert, zeige ich Ihnen gerne hier allerdings noch im Rot/cyan Anaglyph-Verfahren. Also bitte Brille auflassen. Das Panorama ist noch ein Testpanaroma und zeigt nur unseren Garten im beginnenden Frühling. Auch sollten Sie einen Augenblick Geduld aufbringen. Es müssen ca. 1,3 MB geladen werden. In der Zwischenzeit habe ich ein weiteres Panorama-Experiment gewagt. Das Ergebnis sehen Sie ebenfalls auf der Stereo-Bildseite ganz unten. (Schmales, langes Bild)

Ach so, ich wollte doch noch verraten, was zu tun ist, wenn doch einmal bewegte Objekte im Bild sind und diese störend das Bild beeinflussen, da sie in beiden Bildern nicht identisch sind.

Nun, es gibt zwei Möglichkeiten. In einem beliebigen Bildbearbeitungsprogramm gibt es auch eine Stempelfunktion. Mit dieser kopiert man vom linken oder rechten Bild die bewegten Objekte und Teile der näheren Umgebung in das entsprechend andere Bild. Dies hört sich aber zunächst einfacher an als es letztlich ist, denn die Bilder sind ja um den Teil der Stereobasis versetzt aufgenommen worden. Um hier nicht eine Verschiebung, gar eine Verdopplung des kopierten Objektes im zu bearbeitenden Bild zu bekommen, bediene ich mich eines Tricks. Ich setzte im Bildbearbeitungsprogramm zunächst einmal Hilfslinien ins Bild. Dabei suche ich mir eine markante Stelle - ein Schriftzeichen auf einem Schild, eine Astgabel in einem Baum o.ä. - aus, die ich mit Sicherheit im anderen Bild ebenfalls sofort erkennen kann. Die Kreuzungspunkte der waagerechten und senkrechten Hilfslinien setze ich dabei exakt auf diesen Punkt. Einfach und relativ sicher funktioniert dies, wenn ich diesen Ausschnitt mit dem Lupenwerkzeug entsprechend so vergrößere, dass ich diesen Punkt auch genau treffe. Nun setze ich im parallel geladenen und nebeneinander sichtbaren Bild, in dem ich überkopieren möchte, genau an der gleichen Stelle wie oben beschrieben ebenfalls diese Hilfslinien. Nun Klicke ich mit dem Kopierpinselwerkzeug genau auf diesen Punkt im Bild A, von welchem ich die Kopie entnehme und danach im Bild B genau auf den Punkt in den die Kopie eingebracht wird. Nun sollte man nicht wild, sondern sehr gezielt von oben nach unten, eine Bahn nach der anderen kopieren und einfügen. Einige Bilder auf der Bilderseite sind so entstanden. Sie können ja mal versuchen, diese zu finden. Aber Achtung! Dies funktioniert nur bei bewegten Objekten in der Ferne, nie wirklich im Nahbereich!!! Warum? Nun, an dieser Stelle entsteht ja kein räumlicher Tiefeneindruck, da es keinen optischen Unterschied gibt. Im schlimmsten Fall sähe das kopierte Objekt dann wie ausgeschnitten und aufgeklebt - also 2 dimensional aus. Hier sollte man eher zur Möglichkeit 2 greifen und das Objekt "ausschneiden" und dann mit neutraler Umgebung mittels Kopierstempel füllen. Doch auch dies funktioniert nur, wenn zum einen das bewegliche Objekt nicht zu groß und der umgebende Raum soviel neutrales Material enthält, um das entstandene Loch wieder auffüllen zu können. Ansonsten sollte man diese Fotos liebe nicht nutzen.

So, ich hoffe, dass Ihnen die Tipps etwas geholfen haben und Sie mit der Zeit ebensolchen Spaß entwickeln, wie ich, immer neue Motive zu suchen und als 3D-Aufnahme zu betrachten.

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